
Vita:
Markus Thimm
Vom Studium bis Heute
Studium
An der Leibniz Universität Hannover habe ich Informatik studiert und sowohl meinen Bachelor (2007–2011) als auch meinen Master (2011–2013) abgeschlossen. Schon damals habe ich mich auf zwei Themen konzentriert, die mich bis heute begleiten und begeistern: Software Engineering und Künstliche Intelligenz.
Software Engineering
Damals, in der „guten alten Zeit“, waren Kanban und Scrum in der agilen Welt noch ziemlich frisch. Unser Fokus bei der „Agilen Softwareentwicklung“ lag auf Extreme Programming (XP), und der Spruch „Turn it up to ten“ klingt mir bis heute noch in den Ohren! Spannend war auch, wie wir User Stories auf echte, physische Karten geschrieben haben, die dann an ein selbstgebasteltes Kanban-Board geklebt wurden. Ja, so richtig mit Stift und Papier, weil es keine Tool-Unterstützung gab! Dabei lernt man, wie man die wichtigen Infos auf den Punkt bringt – kurz und knackig.
Was mir auch bis heute sehr hilft, waren die Kurse „Requirement Engineering“ und „Software Engineering“. Sie drehten sich darum, die Anforderungen der Kunden zu sammeln, aufzubereiten und zu analysieren, wo es noch offene Punkte oder Unstimmigkeiten gibt, um diese dann in eine Software umzusetzen. In „Software Engineering“ hatte ich auch zum ersten Mal Kontakt zu Martin Fowler, Uncle Bob oder der Gang of Four (und ich meine hier nicht die Rockband). Da kann ich nur Danke sagen – das waren wahrscheinlich die wichtigsten Vorlesungen, wenn ich so im Nachhinein darüber nachdenke! 😉
Künstliche Intelligenz
Neuronale Netze sind heute ja Alltag, aber damals waren sie noch exotisch. Man nannte es „Organic Computing“, und das Thema war ziemlich neu und aufregend. Schon damals hat es mich total fasziniert, und ich habe sofort begonnen, in diesem Bereich zu forschen. Meine Bachelorarbeit über ein KNN (der Urahne der heutigen GenAI) lief so gut, dass die Ergebnisse in einer Veröffentlichung erschienen. Später habe ich in einem Forschungsprojekt im Bereich IT-Security versucht, mithilfe eines Künstlichen Immunsystems Zero-Day-Attacken in Netzwerken aufzuspüren. Leider gab es technische Probleme auf dem Uni-Cluster, sodass wir das Projekt nie abschließen konnten – aber die ersten Ergebnisse waren vielversprechend, und das Projekt war trotzdem unglaublich spannend.
Natürlich habe ich mich auch durch die ganzen „Standardkurse“ wie zig Datenbanken, Programmier und die viel zu vielen Mathe- und Elektrotechnik-Vorlesungen gekämpft – aber lassen wir das lieber…
Mein Start in der Start-Up-Szene
Nach meinem Studium begann ich als einer der ersten beiden Entwickler bei einem Start-up im Bereich Mobile Security. Es fühlte sich an wie ein Sprung ins kalte Wasser. Plötzlich war ich von 0 auf 100 für eine Software verantwortlich, die ich selbst nicht entwickelt hatte, und es gab niemanden, der mehr Erfahrung als ich besaß – sprich, keine … Aber was soll ich sagen? Man wächst mit seinen Aufgaben. Am Ende konnte ich viele Erfolge vorweisen. Als ich die Firma verließ, waren wir 35 Mitarbeiter, arbeiteten nach einem vorbildlichen Scrum-Modell, und ich bin bis heute stolz auf die vollautomatisierten Pipelines, die wir entwickelt haben. Diese liefen noch viele Jahre nach meinem Weggang fast unverändert weiter.
Aber als dann meine Lernkurve stark abflachte, entschied ich mich dazu, mit zwei Freunden ein eigenes Start-up zu gründen. Unsere Idee war es, Texte datenschutzkonform mittels KI zu analysieren und die Ergebnisse über ein Dashboard an Unternehmen zu verkaufen. Es war eine unglaublich spannende und intensive Zeit, in der ich viel gelernt habe – vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Obwohl unser Start-up letztlich nicht erfolgreich war und wir keine Millionäre wurden, bereue ich es keineswegs. Im Gegenteil: Ich kann jedem nur empfehlen, es auszuprobieren. Nach der Gründung habe ich in der Ausgründung eines Bekannten begonnen und dort schnell eine führende Position übernommen. Leider passten die Strukturen nicht, und ich erlitt ein Boring-out. Als mich dann ein guter Freund auf eine interessante Stelle in der Bank aufmerksam machte, in der er arbeitet, und meine Bewerbung sogar erfolgreich war, entschied ich mich, die Start-up-Szene hinter mir zu lassen und in den Finanzsektor zu wechseln.
It’s banking-time
Wie viele Informatikstudenten habe ich während meines Studiums einen Krypto-Trading-Bot entwickelt, was mein Interesse an der Finanzwelt geweckt hat. Daher war die neue Position im Bankensektor eine ideale Gelegenheit, dieses Interesse weiterzuverfolgen.
Während meiner sieben Jahre als Angestellter der Landesbank habe ich an drei großen Projekten gearbeitet, zwei davon habe ich auch geleitet. Zu meinem Glück waren alle drei Projekte äußerst innovativ:
- Ausgründung einer Abteilung: Hier wurde eine Abteilung der Bank in eine Tochtergesellschaft ausgelagert, und wir entwickelten eine Plattform, die Schuldscheindarlehen vollständig digital abbildet. Meine zuvor gesammelten Erfahrungen kamen mir dabei sehr zugute.
- KI-Vertragsanalyse-Plattform: Dieses Projekt habe ich von der ersten Idee an bis zur Version 1.0 entwickelt. Dazu zählten auch Task wie nötige Budgetmittel zu organisieren, die Vision an Vorgesetzte zu „verkaufen“ und ein Team von null aufzubauen um nur ein paar zu nennen. Ziel war es, eine Plattform für verschiedene Anwendungsfälle der Textanalyse in der Bank zu etablieren, um zeitaufwendige Arbeiten wie Verträge durchzuarbeiten effizienter zu gestalten. Besonders spannend war es, die unterschiedlichen Use Cases mit den Fachbereichen zu erarbeiten, eine KI-Anwendung als erster in der Bank live zu bringen und dabei Datenschutz, Compliance, Personalrat und andere Beteiligte mit ins Boot zu holen.
- Digitalisierung der Poststelle: Dieses Projekt klingt auf den ersten Blick vielleicht trivial, entpuppte sich jedoch aufgrund zahlreicher Sonderfälle und der Notwendigkeit, professionelle Scan-Stationen aufzubauen mit Hardware und Software, als äußerst komplexen Prozess. Das Herzstück war die Dunkelverarbeitung der gescannten Poststücke mittels Camunda Prozesse. Mit nur wenigen Ressourcen schafften wir hier, wofür vergleichbare Unternehmen das zwei- bis dreifache an Personal und Mitteln benötigten.
Mit der Zeit wuchs jedoch der Wunsch, neue Perspektiven im Bankensektor zu gewinnen. Obwohl ich mir immer vorgenommen hatte, nie als externer Berater tätig zu sein, um nicht von der Familie getrennt zu sein, habe ich schließlich doch den Schritt in die Beratung gewagt. Durch Corona ist Homeoffice mittlerweile etabliert, was es mir ermöglicht, meine Familie und die Arbeit als Berater besser zu vereinbaren. Bei meinem jetzigen Arbeitgeber habe ich die Gelegenheit, viele spannende Projekte zu begleiten und ich arbeite mit tollen Kollegen zusammen.
Das war mein beruflicher Werdegang in aller Kürze. Ich hoffe, es reicht, um euch einen Eindruck zu vermitteln. Einige der hier nur kurz angeschnittenen Themen werde ich später in einem Blogartikel näher beleuchten.
Wer mehr zu meinen Station wissen will, kann gerne bei LinkedIn nachsehen: Markus Thimm bei LinkedIn