Im modernen Arbeitsumfeld sind Künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen längst keine Zukunftsvisionen mehr, sondern reale Werkzeuge, die in verschiedensten Bereichen bahnbrechende Unterstützung bieten. Doch eine KI in den produktiven Einsatz zu bringen, fühlt sich leider häufig danach an, als würde man IKEA-Möbel ohne Anleitung zusammenbauen, statt an einer der modernsten Technologien unserer Zeit zu arbeiten. Falsche Erwartungen, technische Komplikationen und organisatorische Hindernisse können den Weg zu einer erfolgreichen KI-Nutzung ungeahnt erschweren. Doch was genau sind diese Herausforderungen? Und vor allem: Wie lassen sie sich überwinden?

Die Probleme

Überzogene Erwartungen und Ängste

In vielen Unternehmen herrscht im Management eine große Begeisterung über den Einsatz von KI. Man erhofft sich bahnbrechende Ergebnisse, die alte Prozesse revolutionieren. Es wird erwartet, dass die KI sofort Ergebnisse liefert, die präzise, zuverlässig und in allen Belangen besser sind als menschliche Entscheidungen. Im Gegensatz zu den Fachbereichen, die im Alltagsgeschäft zu Hause sind: dort herrscht Skepsis und teilweise sogar Angst um den Arbeitsplatz und die Anerkennung. Beides sind extrem überzogene Ansichten, die die erfolgreiche Implementierung stark erschweren können.

Unvollständige oder fehlerhafte Ergebnisse

KI-Modelle arbeiten statistisch und nicht deterministisch. Das heißt, ihre Vorhersagen und Entscheidungen sind nie zu 100 Prozent exakt. Das führt in machen Fällen zu Ergebnissen, die nicht den hohen Anforderungen der Benutzer entsprechen. Doch anstatt die Vorteile der Technologie zu sehen, wie Flexibilität und Geschwindigkeit, bleibt bei vielen nur die Unzufriedenheit über einzelne Fehler.

Fehlende Datengrundlage

Das Herzstück jeder KI ist die Datengrundlage, auf der sie trainiert wird. Ohne ausreichend qualitativ hochwertige Daten kann auch das beste Modell keine zuverlässigen Ergebnisse liefern. In vielen Fällen stellt sich jedoch heraus, dass die vorhandenen Daten lückenhaft, unvollständig oder schlichtweg unbrauchbar sind. Die Zeit und Mühe, die in die Aufbereitung von Daten fließen muss, wird oft unterschätzt, und plötzlich stehen die Arbeiten still, weil es schlichtweg an der Grundlage fehlt.

Schwierigkeiten bei der Prozessintegration

Doch selbst wenn ein KI-Modell exzellente Ergebnisse liefert, bedeutet das nicht, dass es problemlos in bestehende Arbeitsprozesse eingebaut werden kann. Die Integration einer KI in einen realen Arbeitsprozess erfordert mehr als nur das Deployment des Modells. Benutzer:innen müssen die Ergebnisse verstehen und damit arbeiten können. Eine Integration in die bestehenden Prozesse und eine intuitive Benutzeroberfläche, die es den Nutzern ermöglicht, Vorschläge zu bewerten und gegebenenfalls zu verbessern, ist unerlässlich. Fehlen diese, bleiben viele Modelle ungenutzt oder werden nur mangelhaft angewendet.

Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse

Ein weiteres großes Problem ist die Nachvollziehbarkeit. Viele KI-Modelle, insbesondere solche, die auf maschinellem Lernen basieren, arbeiten wie eine „Black Box“ – man gibt Daten ein und erhält Ergebnisse, aber wie genau das System zu diesen Ergebnissen gekommen ist, bleibt oft unklar. In Branchen wie der Finanzwelt, wo Transparenz und Rechenschaftspflicht entscheidend sind, ist das ein ernsthaftes Problem.

Regulatorische Anforderungen und langwierige Freigabeprozesse

Gerade in regulierten Branchen, wie dem Bankwesen, sind die Anforderungen an KI-Systeme besonders hoch. Die DSGVO, der EU AI Act und andere gesetzliche Vorgaben erfordern Transparenz, Datensicherheit und ethisches Vorgehen. Hinzu kommen langwierige Freigabeprozesse innerhalb des Unternehmens – was im Privatsektor in wenigen Tagen geschieht, kann in regulierten Bereichen Wochen oder Monate dauern. Die notwendige Infrastruktur und die rechtlichen Anforderungen verzögern den produktiven Einsatz erheblich.

Die Lösungen

Diese Herausforderungen mögen entmutigend klingen, doch mit der richtigen Herangehensweise lassen sich alle Hindernisse überwinden. Der Weg zum erfolgreichen Einsatz von KI führt über klare Kommunikation, gute Planung und die Bereitschaft, Prozesse kontinuierlich zu verbessern.

Realistische Erwartungen setzen und USER frühzeitig einbinden

Das erste Problem – überzogene Erwartungen und Ängste – lässt sich durch gezielte Kommunikation lösen. Es ist wichtig, die Benutzer:innen von Anfang an in den Entwicklungsprozess einzubinden und ihnen die realistischen Möglichkeiten der KI aufzuzeigen. Klare, erreichbare Ziele sollten gemeinsam definiert werden. Zudem sollten die Vorteile der KI betont werden. Doch genauso sollte man kommunizieren, dass KI keine Wunderwaffe ist und auch hier Fehler gemacht werden können.

Fehlertoleranz durch klare Kommunikation verbessern

Die geringe Fehlertoleranz der Benutzer gegenüber KI-Systemen lässt sich durch Aufklärung verbessern. Es muss den Benutzer:innen klar werden, dass KI anders funktioniert als klassische, deterministische Algorithmen. Auch wenn die Ergebnisse nicht immer perfekt sind, bieten KI-Systeme in vielen Anwendungsfällen entscheidende Vorteile. Durch regelmäßiges Feedback und Trainings können Benutzer:innen lernen, mit der Unsicherheit umzugehen und trotzdem die Vorteile der KI zu nutzen.

Datengrundlage sorgfältig aufbauen

Die Lösung für unzureichende Daten ist simpel, aber nicht einfach: Man muss Zeit investieren, um eine solide Datengrundlage zu schaffen. Hier hilft nur eine gründliche Planung und der Einsatz geeigneter Tools, um die Daten aufzubereiten und zu kennzeichnen. Ein strukturiertes Vorgehen bei der Datenaufbereitung ist unerlässlich, denn die Qualität und Granularität der Daten bestimmten die Qualität der Ausgaben des KI-Modells.

Experten einbeziehen für UI/UX und Prozessintegration

Der nächste Schritt besteht darin, sicherzustellen, dass die KI sinnvoll in den Arbeitsprozess integriert wird. Hier ist es ratsam, Experten für UI/UX und Prozessdesign hinzuzuziehen. Diese können dafür sorgen, dass die Benutzer intuitiv mit der KI arbeiten können und die Ergebnisse so aufbereitet werden, dass sie leicht verständlich und nachvollziehbar sind. Eine gute Benutzerführung und klare Visualisierungen der KI-Ausgaben können den Unterschied machen und die Akzeptanz fördern.

Nachvollziehbarkeit durch Testverfahren und klare Kriterien

Auch wenn die KI eine „Black Box“ ist, kann die Qualität ihrer Ergebnisse durch bewährte Testverfahren sichergestellt werden. Tests mit definierten Eingaben und klaren Erwartungswerten (sogenannte Blackbox-Tests) können die Zuverlässigkeit der Ergebnisse gewährleisten. Zudem kann durch Kriterien bereits im Quellcode der Anwendung definiert werden, wann eine Antwort als gut oder unzureichend gilt. So können unlogische oder fehlerhafte Ergebnisse frühzeitig erkannt und erneut analysiert werden.

Regulatorische Anforderungen einplanen und Freigaben beschleunigen

Regulatorische Anforderungen wie die DSGVO und der EU AI Act sind unumgänglich, aber lassen sich effizient umsetzen, wenn sie von Anfang an in der Planung berücksichtigt werden. Der zusätzliche Aufwand ist überschaubar, wenn er gut organisiert ist. Zudem sollten alle Stakeholder frühzeitig eingebunden werden, um langwierige Freigabeprozesse zu vermeiden. Hier ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den IT-Abteilungen und Compliance entscheidend.

Fazit

Der produktive Einsatz von KI in Unternehmen mag auf den ersten Blick komplex erscheinen, doch mit der richtigen Herangehensweise sind alle Herausforderungen lösbar. Erfahrung, sorgfältige Planung, klare Kommunikation und die frühzeitige Einbindung aller Beteiligten sind entscheidende Erfolgsfaktoren – wie bei jedem klassischen Softwareprojekt. Daher gibt es keinen Grund zur Sorge. Auch wenn die erforderlichen Fähigkeiten und Erfahrungen sich von denen traditioneller Softwareprojekte unterscheiden, bleibt es ein Softwareprojekt. KI ist kein Zauberstab, das Probleme magisch löst – aber mit dem richtigen Expertenwissen lässt sich diese Technologie erfolgreich in bestehende Prozesse integrieren und eröffnet damit immense Chancen für die Zukunft.


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