Vorwort:
Vor ein paar Jahren las ich das Buch Die 1%-Methode – Minimale Veränderung, maximale Wirkung von James Clear. Nach einem Gespräch mit meinem jetzigen Chef kam mir die Idee, die Konzepte aus dem Buch mit den Strukturen und Herausforderungen in großen Organisationen zu vergleichen. Also nahm ich das Buch erneut zur Hand – und merkte schnell, dass es so viel Inhalt hat, dass ein einzelner Blogartikel dem nicht gerecht werden kann. Deshalb konzentriere ich mich in diesem Beitrag erstmal auf die Themen am Anfang des Buches.
Zugegeben: Nicht alle Passagen des Buches sprechen mich an. Ich persönlich möchte nicht jeden Aspekt meines Lebens optimieren und mich nicht wie eine Maschine verhalten. Doch viele Ansätze sind inspirierend und absolut relevant – nicht nur für den persönlichen Erfolg, sondern auch für Unternehmen.
Kleine Verbesserungen, große Wirkung
Das Kernprinzip des Buches ist einfach: Viele kleine, positive Verbesserungen können über die Zeit einen riesigen Erfolg erzeugen. Es gibt nicht den einen „Big Bang“-Moment, in dem plötzlich alles gut ist. Stattdessen baut Erfolg auf kontinuierlicher Verbesserung auf. Diese Kleinstveränderungen sind oft so minimal, dass sie kurzfristig kaum Auswirkungen haben – weder auf KPIs noch auf mittelfristige Ziele. Und genau deshalb werden sie in Unternehmen oft nicht umgesetzt. Es gibt immer etwas Wichtigeres, es fehlt die Zeit, das Budget oder der Wille. Dabei kosten diese kleinen Anpassungen meist nicht viel. Umgekehrt kann es aber genauso laufen: Viele kleine Verschlechterungen summieren sich und können Unternehmen ruinieren. Wenn sich schlechte Angewohnheiten einschleichen und niemand gegensteuert, ist der langfristige Schaden vorprogrammiert.
Nach meiner Erfahrung ist der entscheidende Punkt hierbei das Personal: Wenn an Schlüsselpositionen motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter sitzen, die für das Unternehmen und nicht für sich selber arbeiten, dann entstehen solche Kleinstverbesserungen fast automatisch. Diese Mitarbeiter denken mit, gehen die Extra-Meile und setzen Verbesserungen um, ohne dass sie oft dafür expliziten Dank erhalten. Leider passiert sogar manchmal das Gegenteil: Systeme schützen sich selbst vor Veränderungen, und motivierten Mitarbeitern wird es oft unnötig schwer gemacht Verbesserungen zu implementieren. Deshalb ist mein Appell an jede Organisation:
Unterstützt diese Menschen und sorgt mit allen Mitteln dafür, dass sie ihre Motivation nicht verlieren!
Langfristiger Erfolg statt kurzfristiger Projektabschlüsse
Das zweite Thema aus dem Buch, welches ich hier ansprechen möchte, ist der nachhaltiger Erfolg durch stetige Systemverbesserungen. Wenn ein Unternehmen langfristig erfolgreich sein will, muss es darauf achten, dass sein System diesen Erfolg ermöglicht. Leider erlebe ich oft das Gegenteil:
- Projekte werden mit teilweisen extremen Ressourcenaufwand möglichst schnell durchgedrückt.
- Sobald das System live ist, interessiert sich niemand mehr dafür.
- Das Ergebnis ist oft ein Schlachtfeld aus unfertigen oder schlecht integrierten Lösungen.
Wenn sich dieser Zyklus immer wiederholt, bleibt am Ende nur ein großer Haufen technischer Schulden und Frustration. Deshalb ist es essenziell, Projekte in den laufenden Betrieb zu integrieren, Anforderungen sauber zu erheben und nicht hinter verschlossenen Türen an Lösungen zu arbeiten, die niemand braucht oder nutzen kann.
Manch einer mag denken: „So arbeitet doch niemand!“ Doch meine Erfahrung zeigt mir das Gegenteil – es ist leider oft gelebte Praxis..
Ein positives Beispiel:
Das Innovationslabor der NORD/LB
Es gibt aber auch Positivbeispiele. Eines davon habe ich selbst miterlebt: das Innovationslabor der NORD/LB. Die Initiative begann mit ein paar motivierten Mitarbeitern im Keller und wurde vom Management direkt unterstützt – und das in einer Zeit, in der es der Bank nicht gut ging. Trotzdem wurde Raum geschaffen, Ressourcen bereitgestellt und Vertrauen geschenkt.
Aus dieser Keimzelle entstand ein kleines Team von fünf Personen – welches ich angehören durfte – das sich explizit mit Digitalisierung und Innovation befassen durfte. Wir wurden an unseren Ergebnissen gemessen, aber nicht an willkürlichen KPIs. Uns wurden Freiheiten und Möglichkeiten gegeben, die in einer Bank ungewöhnlich waren. Das Ergebnis? Zehn Jahre nach der Idee im Keller gibt es mittlerweile mehrere Einheiten mit über 50 Mitarbeitern, die sich konstant weiterentwickeln und große Erfolge erzielen.
Hätte damals jemand gesagt: „Dafür haben wir kein Geld, wir haben Wichtigeres zu tun, zeigt uns erst mal einen Businessplan“, wäre die Initiative nie zustande gekommen. Doch stattdessen wurde Schritt für Schritt die Art zu entwickeln in der NORD/LB weiterentwickelt. Heute verfügt die Bank über einen modernen Technologie-Stack, der in der Bankenlandschaft seinesgleichen sucht. Es ist eine gute Balance aus modernen Ansätzen und bewährten Technologien.
Fazit
Die 1%-Methode zeigt, dass große Erfolge nicht von heute auf morgen passieren. Sie entstehen durch kontinuierliche Verbesserung – sei es auf individueller oder organisatorischer Ebene. Unternehmen sollten lernen, langfristig zu denken, motivierte Mitarbeiter zu fördern und nachhaltige Strukturen zu schaffen, anstatt kurzfristige Projektabschlüsse zu forcieren und sich an willkürlichen Deadlines zu orientieren.
Und das Wichtigste: Unterstützt die Menschen, die sich engagieren, und verhindert, dass sie ihre Motivation verlieren. Denn sie sind es, die langfristigen Erfolg möglich machen.
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